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Die Option "Gleitende Grenzen", auch „Autolearn“ genannt, ist eine kostenpflichtige Zusatz-Option (s. Kap. License - App).
Normalerweise bleibt eine Grenze so lange unverändert, bis entweder die Messkurve neu eingelernt, oder die Grenze manuell verändert oder neu angepasst wird. Bei den sog. "Gleitenden Grenzen" findet jedoch eine kontinuierliche, automatische Grenzanpassung statt. D.h., nach jedem bearbeiteten Werkstück (= in der Takt-Signal-Pause) findet ein automatisches Anpassen der Grenze an die soeben gelaufene Messkurve statt. Wenn eine Messkurve z.B. verschleißbedingt im Laufe der Standzeit langsam ansteigt, so folgen die sich immer wieder neu anpassenden Grenzen diesem Anstieg, unter Beibehaltung des gleichen Abstandes zwischen Messkurve und Grenze. Man nennt das eine sogenannte „gleitende Anpassung“ an die Messkurve.
Wenn die Option "Autolearn" zur Verfügung steht, kann die gleitende Anpassung bei jeder Grenze separat aktiviert werden:
[Bearbeiten] > [Grenze] > [Ändern] > gewünschte Grenze auswählen > Reiter "Grenzspezifisch" > Untermenü "Autolearn...".
Ein großer Vorteil gegenüber den fixen Grenzen ist, dass die gleitenden Grenzen stets eng anliegen, unabhängig vom Verschleiß-Zustand. Kleinere Abweichungen vom „normalen“ Kurvenverlauf (z.B. bei geringen Schneidenausbrüchen) können somit besser erkannt werden. Allgemein gilt: Die fixen Grenzen werden meist so eingestellt, dass sich die Messkurven eines neuen und eines verschlissenen Werkzeuges innerhalb der Grenzen befinden. Je nach Anwendungsfall könnte diese Grenzeinstellung jedoch zu grob sein (!)
Falls sich eine Messkurve relativ instabil verhält, könnten sich durch eine gleitende Anpassung an jede einzelne Messkurve zu viele "falsche Alarme" ergeben. Für diesen Fall lässt sich zusätzlich eine "Gemittelte Kurve" hinzufügen. Dabei handelt es sich um eine Durchschnitts-Kurve, die aus den jeweils letzten 2, 4, 8, ... Bearbeitungen ermittelt wird. Die automatische Grenzlegung orientiert sich dann an der "Gemittelten Kurve", statt an jeder einzelnen Messkurve. (s. Kap. Gemittelte Kurve).
Ein typischer Anwendungsfall für die "gleitenden Grenzen" ist die Wirkleistungs-Überwachung von Mehrspindelbohrköpfen, bei denen ein Motor mehrere Bohrer gleichzeitig antreibt.
Wirkungsweise der gleitenden Grenzen, am Beispiel eines vierspindligen Bohrkopfes:
Vier gleiche Bohrer werden gemeinsam von einem Motor angetrieben. Jeder Bohrer trägt somit jeweils zu einem Viertel zur dargestellten Gesamtleistung bei. Beim Bruch eines Bohrers sinkt die Messkurve demnach um lediglich 25%. D.h., speziell die untere Grenze muss < 25% unterhalb des Niveaus der Gesamtleistung liegen! Bei einem Mehrspindelbohrkopf ist es jedoch sehr wahrscheinlich, dass der verschleißbedingte Leistungsanstieg mehr als 25% beträgt. Somit läge eine fixe untere Grenze - die zum Zeitpunkt des Einsetzens neuer Bohrer eingelernt wurde - gegen Ende der Werkzeugstandzeit zu niedrig, sodass ein Bruch evtl. nicht erkannt wird!
Anmerkung: Meist entsteht während eines Werkzeugbruches unmittelbar vor dem Absinken der Messkurve eine Überhöhung, welche die obere Grenze verletzt. Je nach Werkzeug-Durchmesser und Art des Bruches ist diese Überhöhung jedoch nicht immer deutlich ausgeprägt. Ein Absinken der Gesamtleistung ist hingegen immer vorhanden, sobald einer der Bohrer des Mehrspindelbohrkopfes fehlt.

Bild 7 - Bohrkopf mit neuen Bohrern
Bild 7: Die Gesamtleistung des mit vier neuen Bohrern bestückten Bohrkopfes beträgt im Beispiel etwa 2,5 kW. Die unter fixe Hüllkurve ① und die untere gleitende Hüllkurve ② wurden jeweils mit etwa 20% vertikalem Abstand von der Messkurve eingelernt.

Bild 8 - Bohrkopf mit verschlissenen Bohrern
Bild 8: Bedingt durch den fortgeschrittenen Verschleiß der vier Bohrer ist die Gesamtleistung auf über 3 kW gestiegen. Die fixen Hüllkurven ① und ④ bleiben auf ihrem ursprünglichen Niveau. Die gleitenden Hüllkurven ② und ③ sind hingegen stetig mit der Messkurve gestiegen, unter automatischer Beibehaltung des Abstandes von 20%.

Bild 9 - Bohrkopf mit Bruch eines Bohrers
Bild 9: Einer der vier verschlissenen Bohrer ist (etwa 3,2 sec nach Beginn des aktuellen Schnittes) gebrochen, wodurch die Gesamtleistung zu diesem Zeitpunkt um etwa 25% gesunken ist. Durch dieses vorzeitige Absinken der Messkurve wurde die gleitende untere Hüllkurve ② verletzt und somit der Bruch erkannt. Die fixe untere Hüllkurve ① wurde hingegen nicht verletzt und somit der Bruch nicht erkannt!